Es wehte der Wind ein Blatt vom Baum

Als wärs gestern gewesen kann ich mich daran erinnern, wie Du jeweils, wenn wir mit einem Problem in Mathematik oder Physik ankamen, Deinen Häuschenblock und das Minenbleistift gezückt hast und wir wohl innerlich dabei schon die Augen verdreht haben. Denn, was folgte waren detaillierte Erklärungen und wir waren wohl mehr auf der Suche nach einer schnellen Lösung, um die Hausaufgaben zeiteffizient hinter uns zu bringen. Genauso passioniert hast Du Dich einem Computerproblem gestellt, vom Erstellen einer Vereinshomepage bis zu einem Programm zur Analyse von Mikroskopieaufnahmen, nichts war zu schwer, um nicht programmierbar zu sein. Ich erinnere mich so gut an den Moment, wo ich eine Präsentation gestartet hatte und der Bildschirm plötzlich quer zu sehen war, obwohl man sich solche Dinge bei mir gewohnt war, war es doch irgendwie unangenehm, die direkte hotline hat mir sofort aus der Patsche geholfen!

Zu den allerschönsten Momenten gehörten aber die, wenn es draussen bitterkalt war und wir drinnen in der Werkstatt waren, an der Wärme des Feuers im Holzofen. Wenn es nach Sägemehl geduftet hat, der Radio gelaufen ist und Du Dir konzentriert überlegt hast, wie man diese Schreineraufgabe am Besten und auch am Schönsten löst. Von Zauberkiste zu Reagenzgestell konnten wir Wünsche anbringen und mit dabei sein, ein Werkstück zu fertigen. Wahrscheinlich hättest Du geschmunzelt ob meiner Stubentischidee und mir das fehlende Stück im Blatt gedrechselt, hättest mit Freude am Bauernhof und der Puppenstube mitgedacht, könntest den Stolz auf meine soeben erstellten holzigen Adventskalender verstehen und garantiert wüsstest Du, wie ich die Scharniere und Beschläge an meiner Überseekoffer schadlos wegnehmen müsste, damit ich sie endlich fertig ablaugen und schleifen könnte. Genauso würdest Du mir wohl all meine kaputten Lampen wieder zum Leuchten bringen und mir helfen, meine Hängematte aufzuhängen.

Von Dir haben wir gelernt, wann die Schlacht am Morgarten stattfand und wer der Dällenbachkari war. Auf Deinem Musikinstrument habe ich gespielt, ein Stolz aus Deiner Jugend. Unsere Kindheit war geprägt von Experimenten mit der Herstellung von Süssmost, Wein, Bier, Schnaps und der Ernte von Honig. Dieser Gwunder für neue Dinge und das Ausprobieren, Dinge zu Entdecken und Sachlagen auf den Grund zu gehen hast Du mir wohl genauso vererbt wie ein Sinn für Logik und mathematisches Denken. Mit Freude hast Du zugehört, wenn ich von den Bergen zurück kam und hast mir von Deiner einzigen Skitour erzählt. Philosophieren und diskutieren, aber auch Wertschätzung gegenüber Mitmenschen, ein Sinn für Heimat und Kultur, die Freude an der Sprache und dem Dialekt, das haben wir als Schatz mitbekommen und ist heute tausend mal mehr Wert als die fehlenden teuren Markenkleider, Luxusferien oder Restaurantbesuche. Wir wurden etwas anders erzogen und das merken wir heute nur zu gut, wenn wir irgendwie nicht so in die Masse passen und uns ab und zu etwas fehl am Platz fühlen. Aber weisst Du was? Ich bin stolz darauf und schätze Euch das sehr!

Narrenfreiheit oder: als Katze darf man sich einfach alles erlauben!

Katzen sind ja bekanntlich sehr eigensinnige Wesen. Prinzipiell lassen sie sich weder dressieren noch sonst in Schemen passen. Sie machen nämlich einfach in jedem einzelnen Moment genau das, was sie gerade für richtig empfinden und Lust haben. Dies ist der Grund, weshalb sie für mich so faszinierende Wesen sind. Und, ich gebe es zu, manchmal werde ich sogar etwas eifersüchtig ob deren Eigenwilligkeit, der gewissen Frechheit sich einzufordern, was sie eben brauchen oder deren Durchsetzungskraft. Und dies ohne dass je ein Mensch wirklich wütend wird über sie. Da sie eben Katzen sind, dürfen sie tun und lassen, was sie wollen. Sie haben die Narrenfreiheit in unserer Welt. Da sagt niemand was, wenn der Kater mitten in der Nacht miaut, um raus gelassen zu werden, um fünf Minuten später, ohne einen Schritt in den strömenden Regen getan zu haben, wieder in die warme Stube zu tappen. Oder wenn die Katze patschnass nach drinnen kommt und sich genau Deine warmen Beine aussucht, um sich gemütlich einzukuscheln, zu trocknen und sich aufzuwärmen. Ab und zu bringt der Räuber dafür dann seine halblebende Beute in die Wohnung und eine muntere Mäusejagt fängt an, wobei man vielleicht dann auch noch die Reste des letzten Beutezugs findet, ein paar Federn unter dem Schrank oder eine ausgetrocknete Mäuseleiche. Brauchen sie Zuneigung, streichen sie liebevoll um des Menschen Beine, wollen sie ihre Ruhe, sieht man sie tagelang nicht. Lässt die Katze die Krallen raus beim Spielen ist das genau so normal, wie wenn sie beim Kraulen zu Schnurren anfängt. Ob sie den ganzen Tag draussen rumgetigert sind oder drinnen auf dem Ofen gefaulenzt haben, der Futternapf wird jeden Tag gefüllt, denn, eine Katze kann eben tun und lassen was sie will, ohne je Rechenschaft ablegen zu müssen. Deshalb, in meinem nächsten Leben werde ich eine Katze! Und dies dann gleich sieben Mal!

Vom schachspielenden Tessinerhund

Ja, es gibt ihn, den Hund, der praktisch tagtäglich dem Schachspiel frönt. Beige und zottlig, mit witzigen Ohren, bringt sein Anblick einem einfach in frohe Laune. Und eben auch, weil er meist beim städtischen Schachspiel anzutreffen ist. Oft hellwach, manchmal bellend, läuft er auf dem auf den Boden gezeichneten Spiel umher als wolle er sich selber darum kümmern, den König matt zu setzen. Eher selten verschläft er auch mal eine Partie, eingerollt auf dem Rasen mitten im Tumult der verschiedensten Leute. Wohl aber eher dann, wenn es nicht gerade so spannend zu und her geht auf dem Spielfeld. Ob er nun tatsächlich was von Schach versteht oder nicht sei dahin gestellt, für mich aber ist er ein richtiges Bellinzona Stadtoriginal. Er gehört mittlerweile genauso in mein Bild von Bellinzona wie die drei Burgen, die Collegiata oder die Gelateria. Und ich freue mich jedesmal, wenn ich auf dem Weg ins Migros dem zottligen Vierbeiner etwas beim Spielen zusehen kann.

Der Augenblick…

…wo man plötzlich merkt, dass in diesem rockigen Mundartstück von schwierigen Entscheidungen die Rede ist, wo Engel auf den Schultern mit den Teufeln vis-à-vis konkurrieren und es vielleicht doch nicht ganz die richtige CD Wahl gewesen ist, welche man dem beifahrenden Pfarrer erlaubt hat in den CD-Player zu legen. Und der Moment, wo man jedoch gottenfroh ist, dass er die anderen CD’s darunter nicht entdeckt hat.

Wie gut dass niemand weiss…

In gewissen Situationen kommt es mir manchmal vor, als wäre der einzige Unterschied von Kindern zu Erwachsenen nur die äusserliche Erscheinung. Wir sitzen am Mittagstisch und wie immer, geht es ziemlich italienisch zu und her, sprich, eher zu laut für mich. Die Leute schreien sich schlicht an und jeder versucht seinen Worten möglichst viel Kraft zu geben, indem das Volumen verstärkt wird statt fertig zuzuhören und dann zu sprechen. Das Ganze wird dann noch durch die Resonanz an der netten Dachschräge amplifiziert. Wohl oder übel habe ich wohl mal wieder nicht so viel verstanden in dem Chaos oder mich halt einfach wirklich mal wieder ausgeklinkt durch unbewusstes auf standby schalten. Jedenfalls gebe ich auf die Frage nach einem Feriengspändli scheinbar die gleiche Antwort in Englisch, wie kurz davor Marco vis-à-vis von mir auf dieselbe Frage in Italienisch geantwortet hat, es fehlt Eines. Und schwupps, da kommt doch dem einen Italiener am Tisch kurzerhand die Idee, dass zwischen mir und Marco ja eine Gemeinsamkeit besteht, oha, und dass man uns deshalb doch verkuppeln könnte. Mit wohlverstanden vierzig Jahren Lebenserfahrung kann er dies aber nicht einfach so als lustigen Gedanken auf den Tisch bringen oder sogar einen ernsten Vorschlag machen, zusammen in die Ferien zu fahren. Nein, wie damals als Grundschulbub fängt er an zu grinsen, hinter vorgehaltener Hand mit seinem Nachbarn zu tuscheln, welcher auf Anhieb mit macht, tuscheln und kichern – ein riesiges Gaudi nimmt seinen Lauf. Ihnen zuzuschauen ist wirklich herzig und lässt mich innerlich grinsen. Mir kommen etliche Szenen aus meiner Zeit als Skilagerleiterin in den Sinn. Die 5. Und 6. Klässler verhalten sich nämlich genau so, wenn es um das Thema verliebt sein geht. Ein präsentes Thema in diesem Alter, man getraut sich nicht darüber zu sprechen und tut es trotzdem ständig.

Die Tischrunde wird immer vergnügter, sie können sich allesamt nicht mehr wirklich beruhigen und schaukeln sich gegenseitig auf mit der eben gesponnenen Idee. Manche machen mit, andere kichern leise beschämt, immer mit einem scheuen Blick zu mir und was ich wohl denke. Als Marco schon längst wieder zurück an der Arbeit ist, dürfen sie dann auch wieder in Italienisch und vor Allem lauthals über den Tisch sprechen. Ich verstehe nicht alles, was da gerade so palavert wird, aber das bin ich mir mittlerweile mehr als gewohnt. Plötzlich kommt dann aber der Gedanke auf, dass Marco eigentlich auch schwul sein könnte, was für die ganzen soeben gesponnenen Pläne ein Hindernis darstellen würde.  Zugegeben, die Idee ist nicht ganz fadenscheinig, denn, Marco ist wohl einer der liebsten Menschen, den ich kenne und sein herzensgutes Auftreten könnte diesen Eindruck tatsächlich erwecken. Die Idee verfliegt dann aber wieder, da sie ja quasi der Geschichte jeglichen Witz nehmen würde.

Irgendwann muss ich mich zu fest konzentrieren, um nicht laut los zu prusten ob all der Dummheiten und vor allem auch dem Benehmen dieser erwachsenen Leute. So geh ich mit meinem Kaffee zurück ins Büro, wo ich das Getuschel und Gekicher noch eine Weile höre, schmunzle vor mich hin und denke an Rumpelstilzchen. Wie gut dass niemand weiss – dass ich Marco viel besser kenne als ihr alle denkt und vor Allem auch als ihr alle zusammen. Ich weiss zum Beispiel, dass Marco garantiert nicht schwul ist. Er ist ein treuer Katholik, der bei jedem katholischen Denkmal sich bekreuzigt und für den der Glaube wirklich sehr wichtig ist. Und das weiss ich, da ich vor einiger Zeit seine abendlichen Photos rund um und in Bellinzona entdeckt und im geschrieben habe, da auch ich öfters am Abend mit meiner Kamera unterwegs bin. Und so hat sich das eine oder andere ungerade Mal ergeben, dass wir spontan zusammen unterwegs waren am Photographieren und Diskutieren.

Die ganze Geschichte hat mich dann auch etwas zum Nachdenken gebracht. Denn, niemand in dieser Tischrunde scheint sich bis jetzt je mal mit Marco ein wenig unterhalten zu haben und etwas von ihm zu wissen und dies, obwohl er wirklich zu den allerliebsten Menschen hier gehört. Von ihm würde man wohl einfach alles kriegen, was man an Wünschen vorbringen würde. Ausserdem ist er ein interessanter Gesprächspartner, kommt mit seiner ruhigen Art aber eigentlich auch nicht gross zu Wort. Genauso wenig wie man hier weiss, was ich so alles am Feierabend mache. Spannend war auch, wie eine kleine Idee plötzlich so viel Anklang gefunden hat, alle haben schlussendlich mitgemacht, weiter gesponnen daran und auch Tage danach man mich noch damit aufziehen wollen und gemeint, ich reagiere irgendwie beschämt oder ertappt. Und eigentlich weiss niemand, wo mein Herz wirklich schlägt. Was zeigt, dass die Wahrheit nicht immer dort ist, wo man sie sich hindenkt und hinmalt. Ob Rumpelstilzchen wohl immer Recht hat!?

Geisterstunde im Schloss

Ende Juli, etwas bewölkt und es fängt schon früh an zu dämmern. Es ist angenehm warm draussen und unglaublich still. Bellinzona still halt. Aus reinem Jux fängt mein Gspändli an, einen Geist in einer der dunkleren Ecken von Montebello zu malen. Dieser taucht dann während dem ganzen Spaziergang immer wieder als running gag im Gespräch auf. Sei es auf der halbdunklen Terrasse von Sasso Corbaro, dahinter in den Bäumen oder zurück auf Montebello im Graben der Ziehbrücke. Schlussendlich verwandle ich den Geist dann noch in eine Sie. Schliesslich gab es sicher auch schon damals Frauen, die nicht ganz Regelkonform waren und sich nicht benahmen und dann mal verschwinden mussten. Oder man denke nur an all die überlieferten unglücklichen Liebesgeschichten. In all den Gedanken an Ritter, Prinzessinnen und eben auch Geister kommt es wie es schon fast provoziert war. Während ich die Treppenstufen im Dunkeln entlang der Mauer suche, höre ich ganz kurz eine Frauenstimme. Dann ist es wieder still. Mein Begleiter hat weder was gehört, noch sehen wir jemanden. Beim nächsten Spaziergang werd ich wohl meine Phantasien bezüglich Mittelalter und was da alles wohl geschehen ist in und rund um diese Steine wieder etwas zügeln.

Chinderlogik isch so herrlech angers

Während mir dusse uf d’Eutere warte fragt mi die Chlini 5 Jährigi nüchtern und ganz plötzlech usem nüt: „Hesch Du ke Maa?“ Ig verneine und mir chunnt uf das grad die berüehmti Wiesofrag vo Ching i Sinn. Bevor ig mir ou nume cha afah überlege, wie nig die wouh jetzt am Schläuschte söu beantworte, meint dr chlii Brüetsch: „Dr Maa, wo üsi Rad wächslet (Pneu am Outo), dä het ou kei Frou!“ Problem glöst!

Sehnsucht…

…nach der Vorfreude und dem leichten Kribbeln am Vorabend, bevor es endlich losgeht und nach dem Packen des Rucksack von Gstältli über Pickel zu Seidenschlafsack.

…nach den schweren Bergschuhen, mit denen man über wunderschöne Wurzelgebilde und glitzernde Steine wandert, Bergbäche überquert und herrlich blühende Bergwiesen erreicht voll von Enzianen, Flockenblumen und Silberdisteln.

…nach dem wunderbaren Duft der Kiefern, der mich immer an die Zeltferien vor über zwanzig Jahren in Frankreich erinnert.

…nach dem Picknick aus dem Rucksack, wo man sich gegenseitig (mit Ragusa) überrascht und über den Besitz von Sackmessern und deren Einsatz debattiert.

…nach dem Augenblick, wo man das allererste Mal die Fahne vor der Hütte sichtet und die gestreiften Fensterläden bewundert und sich schon vorstellen kann, wie gut der Kaffee auf dem Bänkli an der Sonne schmecken wird.

…nach dem herzlichen Willkommen des Hüttenteams, nach dem Schuh- und Pickellager im kalten Vorraum und nach dem feinen Znacht in der gemütlichen warmen Stube.

…nach dem gemeinsamen Studieren der Karte, nach dem Besprechen der bevorstehenden Route, nach dem Betrachten der Berge beim Eindunkeln und nach dem Beobachten der Steinböcke vor der Hütte.

…nach dem mir leise Zuflüstern, dass ich das garantiert schaffen werde, nachdem ich ob der Gruppenhysterie über Schlüsselstellen und Verhältnisse etwas Panik kriege und ich mich dafür darum kümmere, Schuhe vor der Nachtfeuchte zu retten, den Hüttentee aufzufüllen und dafür sorge, dass nicht mal eine Sonnenbrille vergessen wird.

…nach dem Massenlager mit dem leisen Schnarchen, nach all den Gedanken an Gipfel und Routen vor dem Einschlafen, nach dem Nachts Aufwachen und dem Spüren der kratzenden Wolldecke auf der Haut, nach dem Betrachten des sternenklaren Himmels beim Aufstehen und den eiskalten Händen, wenn man zurück ins Bett steigt.

…nach dem Moment mitten in der Nacht, wenn der Wecker los geht und man sich fragt, wieso man sich das eigentlich immer wieder antut.

…nach dem Moment, wo um drei Uhr morgens das Frühstück wortlos über den Tisch geht und man mehr oder weniger amüsant gewisse grummlige Gesichter beobachten kann.

…nach dem Augenblick, wo man seine sieben Sachen im Gewimmel sucht, nach dem das vor der Hütte stehen in der Dunkelheit um zu spüren, wie kalt es wirklich ist, nach dem Moment wo man fixfertig parat am Warten ist, bis alle marschbereit sind und es endlich los geht.

…nach dem Moment, wo man seinen Körper langsam mit ein paar Schritten in Schwung bringt und, die frischen Bergluft auf dem Gesicht spürt, den gigantischen Sternenhimmel bewundert und genau weiss, wieso man sich das antut.

…nach dem Gedanken, dass es bei diesem hellen Mondschein die Stirnlampe eigentlich nicht braucht und nach dem wortlosen Gehen, wo man einfach den Körper und sich spürt und die Schritte der Gruppe hört, ganz versunken in Gedanken.

…nach dem Fingerabfrieren beim Steigeisen anziehen, nach dem Einschlaufen des Seils und nach dem Knoten binden.

…nach dem Knirschen der Eisen auf dem Eis, nach dem Spüren des Gewichtes des Pickels in der Hand, nach dem Bewundern der Spalten rundherum und nach den Gedanken über wie‘s wäre, wenn’s jetzt einfach zu Ende gienge.

…nach dem langsam Heller-werden, nach dem Erröten des Morgenhimmels und der Berge rundherum und nach dem ersten goldenen Sonnenstrahl auf dem höchsten Zacken.

…nach dem Bewundern der Bergwelt ringsherum und dem Raten, welche Namen die Gipfel tragen, nach dem Staunen über die Insekten auf dem Schnee und nach dem stahlblauen Wasser unter dem Eis.

…nach dem mal wieder Bemerken, dass mein analoger Föteler bei diesen Temperaturen einfach nicht will und das nachdem er mir genervt aus dem obersten Rucksackfach geholt wurde. Das Thema Sonnencreme im gleichen Fach lassen wir hier mal…

…nach dem Klettern über Felsen, nach dem vor mir gepfiffenen Totenmarsch dabei, den ich wohl x Mal verflucht habe, genauso wie das coole auf dem Stein sitzen, plöiderlen und dabei das Seil lockern, während man am Sichern ist und auch Sehnsucht nach dem Gefühl in diesem Moment einfach bei sich, seinem Körper und seiner Angst zu sein und trotz Allem seinem allerbesten Freund blind vertrauen zu dürfen und zu spüren, ein Team zu sein.

…nach dem Gipfumüntschi, wenn man es schlussendlich geschafft hat und sich selber und den Gipfel besiegt hat, nach der riesigen Freude dort oben und nach dem überglücklichen Bewundern des Panoramas und nach dem Fühlen von totaler Freiheit und nach dem damit verbundenen Wunsch, da zu bleiben.

…nach einem schönen Abstieg mit kleinen Kletterpartien und langen Schneeflanken zum Runter hüpfen, nach dem Augenblick, wo die Sonne wieder so viel Kraft hat, dass man kurzärmlig unterwegs ist.

…nach all den guten Gesprächen weit weg vom Alltag und nach all den neu gesehenen und gesetzten Zielen.

…nach der Natur und den Bergen und nach einer ärdenschönen und tief vertrauenden Freundschaft, mit der dies alles erst möglich ist…

Mein lieber April

Schön, dass Du bi üs bisch, entweder no nid würklech ganz gange oder z’früeh ume cho. Ou wenn ig muess gestah, irgendwie isch es scho chli schreg Dis Ufträte, aber mängisch isch ou süscht aues chli verdräiht, jetzt bisch jedefaus da! Erscht vor zwe Täg, ha nig mir die erschte Schneeflöckli herbi gsehnt, ha das mit em Summer mau scho wieder gseh für hür, und schiinbar isch mi Wunsch subito umgsetzt worde! Und natürlech fröi ig mi wahnsinnig über die chüeleri Luft und ä herrlech agnähmi Nacht!

Ig weiss, Du bisch sehr luunisch, mau schön, de ir nächschte Stung es Gwitter. Konstanz isch nid so Dis Ding. Das macht Di ja ou us und drum so ungloublech spannend. Aber, tatsächlech chunnt da jetzt es aber, wenn Du scho Zmitts im Summer unerwartet Dini Luune chunnsch cho usläbe, wärs ächt da viellecht müglech, die Wächsle vo brätschheiss zu chaut, dass me z’Gfüeuh het me verfrüürt schier, über Nacht z’mache? Es isch tatsächlech nid so luschtig, wenn me am Morge bi auerschönschtem Wätter, nachere z‘warme Nacht z’Huus verlaht, im Jupe und churzermlig, und am Abe bim Heiloufe z’Gfüeuh het, d’Zäihe i de Sandale sige grad wie wenn me frürrend ire Ischwang steit und wartet, dass me sech darf ushänke und zum nächschte Tritt ufstiege, quasi abgfrorre toub auso. Wenigschtens ganz weni, chönntsch Dir id Charte lah luege und ä Tagesverlouf eifach chli mit Sunne und Gwitter dürenang bringe und das mit de Temperaturschöck uf d’Nächt vertage, so dass me nid mit em ganze Chleiderrepertoir muess use gah nume, dass me für aui Fäu gwappnet wär. A Rägeschirm z’dänke längt da fürig!