Manchmal, da habe ich Angst. Angst davor nach Hause zu gehen. Angst, weil ich nicht weiss, ob und wen ich dort antreffen werde. Und dies vor allem dann, wenn seltsame Dinge geschehen, Sachen, welche ich rational nicht mehr erklären kann. Und eigentlich nur deshalb, weil ich auf meinem bisherigen Weg gelernt habe, dass die Willkür und die Unberechenbarkeit mancher Menschen grenzenlos ist. Und dann fängt mein Hirn plötzlich an, irrationale Ängste hervor zu rufen.
Mitten in einem meeting spüre ich das Vibrieren des Telephons. Später, als wir fertig sind, schaue ich darauf – ein Anruf, per whatsup. Von meinem Abwart. Wenn er es überhaupt noch ist, denn kürzlich war da eine andere Person zuständig. Aber halt mal, das Profilbild. Diese Schwarzweisszeichnung, das bin ja ich! Das ist exakt mein jetziges Profilbild, aber nicht als Foto, sondern gezeichnet, wie eine Bleistiftzeichnung. Was soll das? Spinnt mein Natel wieder und produziert komische Sachen? Aber nein, meine Kollegin, als sie ihn ins Adressbuch aufnimmt, sieht das genau gleiche Bild. Ich hab ein Dejà-vue, ein ziemlich Reales.
Ein paar Monate zurück. Auf einer wunderschönen Bergtour im Tessin treffen wir bei schönstem Sonnenschein auf einem Gipfel, etwas versteckt in den Steinen, einen kleinen Schneemann aus frischem Herbstschnee. Ich hatte so viel Freude an ihm und dass er dort in den Steinen noch nicht der Sonne zum Opfer gefallen ist, dass sein Foto zu meinem Profilbild in Whatsup wurde. Einige Wochen später ein Anruf, auch damals mittels whatsup. Unbekannte Nummer. Doch, auch auch schon da, exakt mein Schneemannfoto ist auch sein Profilbild, damals jedoch nicht als Zeichnung. Das ist nicht möglich, er kann nicht exakt das gleiche Foto geschossen haben und den exakt genau gleichen Ausschnitt gewählt haben wie ich! Zumal ich auch nicht glaube, dass dieser Schneemann von so vielen Leuten entdeckt wurde. Aber wie kommt er an mein Bild? Laut Einstellungen sollte das niemand sehen können, der mir unbekannt ist. Ein Freund hat auch damals die Nummer dann in sein Adressbuch aufgenommen und bestätigt, das Profilbild ist das Selbe, daraufhin sogar angerufen und eine italienisch sprechende Person am Apparat gehabt. Wie das alles möglich war, weiss ich bis heute nicht.
Aber, genau wie heute, habe ich es auch damals mit der Angst zu tun gekriegt. Meine Logik stiess an ihre Grenzen und die irrationalen Gedanken haben sich angefangen zu verbreiten. Nicht ganz grundlos. Da ist noch eine offene Rechnung, eine offene Rechnung über Jahre schon mit einem Menschen, dessen Lebensaufgabe ist, andere grundlos zu schädigen und mit Freude sie kaputt zu machen und zwar ziemlich wahllos. Ich kenne seine Unberechenbarkeit nur zu gut und obwohl ich diese Geschichte längst abgegeben und so auch etwas vergessen habe, lauert sie halt doch irgendwo im Hinterkopf. Und genau dann, wenn Dinge geschehen, welche suspekt sind, kommt sie wieder zum Vorschein. Und ich spüre die Angst vor menschlichem Verhalten, wenn Vernunft keine Chance mehr hat. Bin mir bewusst, dass ich einmal genau vor dieser Unvernunft stehen könnte, dieser Speziellen oder eben der Unvernunft ganz anderer Leute. Und genau dann gehe ich nicht mehr mit Leichtsinn durch die Strassen, sondern ziemlich gefasst. Nehme plötzlich war, wer sonst noch so um mich herum ist und meine Gedanken sind nicht mehr irgendwo am herumflattern, sondern genau da auf der Strasse, wo auch ich bin. Und, es sind auch die Momente, wo ich einfach am Liebsten nicht nach Hause gehen würde, sondern weit weg nach oben in die Bergen, fernab von komischen, unmöglichen und unvernünftigen Spinnern. Dorthin, wo ich mich zu Hause und deshalb auch sicher fühle. Denn, auch wenn diese beiden unerklärlichen Situationen das Resultat irgendwelcher oberkomischen technischen Fehler sind und sowieso nur Zufälle, die seltsamen und auch mutwillig bösartigen Menschen gibt es leider trotzdem und man weiss nie, wann man ihnen begegnet.