Für einen Tag das Leben tauschen mit…

Wieder Mal unterwegs im Auto, fragt die Reporterin in der Kindersendung, mit wem man denn gerne mal sein Leben tauschen würde. Es werden berühmte Sängerinnen und Schauspieler aufgelistet. Klar, wer träumt nicht von Glimmer, Glanz und Gloria. Obwohl dies wohl auch mehr Schein als Sein ist. Urplötzlich bin ich in Gedanken in Peru und sehe ein paar Strassenkinder vor mir. Auf der dreckigen Strasse, im Abfall nach Essen wühlend. Dort, wo vorhin der Hund sein Geschäft erledigt hat. Und trotzdem ist immer wieder ein Lachen aus diesen Kindermündern zu hören. Und dann fang ich mich zu fragen an, ob statt eines Wechsels in die Welt der Sternchen vielleicht nicht ein Tag als Strassenkind bereichernder wäre!? Ob man danach statt nach dem ungreifbaren Reichtum und Status zu hadern, sich plötzlich als König in seinem eigenen Leben fühlt.

I miei castelli

Oft, wenn ich mich einsam fühle, wandert mein Blick hinauf zu den Castelli und ich ziehe los. Meist nicht über Giubiasco, sondern gleich nach dem Bahnhof unter der Unterführung durch via Daro und Artore. Vorbei an Montebello, vorbei an schönen Häusern und interessanten Gärten hoch zu Sasso Corbaro. Schloss Unterwalden, wie es auch heisst, ist klein, viereckig, hat einen wunderschönen Innenhof mit Rebenüberdachter Gartenterrasse eines Restaurants. Ziemlich auf den Felsen gebaut, kann man nicht um die ganze Burganlage gehen. Doch, durch die Schiessscharten hindurch geht der Blick über Giubiasco, hinauf zum Ceneri oder über die Magadino-Ebene bis zum Lago di Locarno. Auf der anderen Seite sieht man die Bernadino-Region und die Leventina hinauf bis zum Pizzo Claro und dem darunter liegenden Kloster. Eine herrliche Sicht und wenn die Sonne am Untergehen ist, scheint der See im Rot zu versinken.

Hinunter geht’s wieder über ein kurzes Stück Wanderweg zwischen Felsen und Wurzeln unter dem Laub von Kastanienbäumen. Auf dem Weg, kommt man an einem Brunnen vorbei, der mir schon so oft eine Abkühlung war. Ein letzter Blick auf die gelbe Chiesa San Sebastiano und der Weg dreht ab nach Süden. Montebello, Schloss Schwyz kann über die Zugbrücke betreten werden. Mein Lieblingschloss. Hier habe ich schon Stunden verbracht. Nicht nur, dass es einfach irgendwie ein genialer Bau ist, vorne auf der Wiese lässt es sich so gut in der Sonne liegen, nach einem heissen Sonnentag den Wind geniessen oder einfach sonst die Abendstimmung aufnehmen. Von hier hat man einen ziemlich guten Überblick auf Bellinzona und doch scheint es, man sei weit weg von der Stadt im Frieden.

Das letzte Stück Weg hinunter in die Stadt ist am Faszinierendsten. Durch die Häuser, mit Blick hinter die Kulissen, auf Pflastersteinen geht’s ziemlich rasant hinunter zur Piazza della Collegiata, für mich das Herzstück von Bellinzona. Auf der anderen Seite der Piazza könnte man dann wieder hoch zu Schloss Uri, oder Castelgrande steigen. Ein hübsches Grotto in den Mauern wartet dort entdeckt zu werden!

Morgendliches highlight auf der Baustelle

Baustelle und einspurige Verkehrsführung und das mitten auf der Hauptverkehrsachse der Stadt. Nicht gerade das, was die Laune hebt, wenn man sowieso etwas widerwillig den Gang zur Arbeit auf sich nimmt. Dort an der Kreuzung, wo auch die zweite Spur wieder befahrbar ist, steht jeden Morgen ein Schwarzer und regelt den Verkehr. Früh am Morgen, bei Wind und Regen und mitten im Morgenverkehr, nicht gerade ein Traumjob. Sehr aufmerksam lässt er mich als eine Rarität von Velofahrerin jedoch nie anhalten und regelt den Verkehr immer so, dass ich ohne grossen Stopp freie Fahrt geniesse. Worauf ich ihm dann zum Dank freundlich zunicke. Mittlerweile hat er den Platz gewechselt, steht nun mit dem Rücken zu meiner Strasse und meine freie Fahrt ist nun auch nicht mehr jeden Morgen gewährleistet. Er jedoch merkt immer, wenn ich auf die Kreuzung zufahre und dreht sich um, um mir mit liebem Lächeln zuzuwinken. Jeden Morgen zaubert er mir so ein Lächeln auf die Lippen und ich hoffe dann, dass diese Baustelle der Hauptstrasse noch lange erhalten bleibt.