Drei, vier Monate muss es her sein, mitten im Sommer jedenfalls. Genau wie heute bin ich damals durch die Nidaugasse in Biel gegangen. Er hat mich sofort in den Bann gezogen. Obwohl er wahrscheinlich tonnenweise Sorgen in seinem Leben zu tragen hat, bei Wind und Wetter in dieser Strasse stehen und die Zeitung an nichtkaufwillige fremde Leute bringen muss, sah man ihm dies nicht im Geringsten an. Im Gegenteil, mit seinem fröhlichen Charme hat es der schwarze Surprize-Verkäufer nämlich geschafft, reihenweise Passanten in ein Gespräch zu verwickeln und ihnen sein Lachen weiter zu geben. So auch mir, seine Fröhlichkeit hat mich sofort angesteckt und es wurde mir in dem Moment wieder mal bewusst, wie gut ich es eigentlich habe. Und weil ich wusste, dass ich die Zeitung wahrscheinlich nie lesen werde, bin ich ihn das nächste Geschäft gegangen, um in meinem Portemonnaie einen Fünfliber zu suchen. Diesen hab ich ihm dann draussen in die Hand gedrückt mit den Worten, dass die Arbeitswelt um einiges schöner wäre, wenn alle Menschen ihren Job mit so einem Elan, so viel Freude und solch einem lieben Lachen machen würden. Er hat sich mehrmals bedankt und sein Lachen wurde noch etwas grösser.
November, ein trister Regentag. Mit Blick auf meinem Natel vernehme ich im Rücken ein „suprize Madam“. Mehr reflexartig als bewusst drehe ich mich um, um meine Standardantwort „nein, danke“ zu geben. Ich schaue direkt in ein lachendes Gesicht, welches mich schneller erkennt als ich es und über beide Ohren zu strahlen beginnt. Er zeigt mit dem Finger auf mich und meint: „hab ich nicht vergessen!“