…nach der Vorfreude und dem leichten Kribbeln am Vorabend, bevor es endlich losgeht und nach dem Packen des Rucksack von Gstältli über Pickel zu Seidenschlafsack.
…nach den schweren Bergschuhen, mit denen man über wunderschöne Wurzelgebilde und glitzernde Steine wandert, Bergbäche überquert und herrlich blühende Bergwiesen erreicht voll von Enzianen, Flockenblumen und Silberdisteln.
…nach dem wunderbaren Duft der Kiefern, der mich immer an die Zeltferien vor über zwanzig Jahren in Frankreich erinnert.
…nach dem Picknick aus dem Rucksack, wo man sich gegenseitig (mit Ragusa) überrascht und über den Besitz von Sackmessern und deren Einsatz debattiert.
…nach dem Augenblick, wo man das allererste Mal die Fahne vor der Hütte sichtet und die gestreiften Fensterläden bewundert und sich schon vorstellen kann, wie gut der Kaffee auf dem Bänkli an der Sonne schmecken wird.
…nach dem herzlichen Willkommen des Hüttenteams, nach dem Schuh- und Pickellager im kalten Vorraum und nach dem feinen Znacht in der gemütlichen warmen Stube.
…nach dem gemeinsamen Studieren der Karte, nach dem Besprechen der bevorstehenden Route, nach dem Betrachten der Berge beim Eindunkeln und nach dem Beobachten der Steinböcke vor der Hütte.
…nach dem mir leise Zuflüstern, dass ich das garantiert schaffen werde, nachdem ich ob der Gruppenhysterie über Schlüsselstellen und Verhältnisse etwas Panik kriege und ich mich dafür darum kümmere, Schuhe vor der Nachtfeuchte zu retten, den Hüttentee aufzufüllen und dafür sorge, dass nicht mal eine Sonnenbrille vergessen wird.
…nach dem Massenlager mit dem leisen Schnarchen, nach all den Gedanken an Gipfel und Routen vor dem Einschlafen, nach dem Nachts Aufwachen und dem Spüren der kratzenden Wolldecke auf der Haut, nach dem Betrachten des sternenklaren Himmels beim Aufstehen und den eiskalten Händen, wenn man zurück ins Bett steigt.
…nach dem Moment mitten in der Nacht, wenn der Wecker los geht und man sich fragt, wieso man sich das eigentlich immer wieder antut.
…nach dem Moment, wo um drei Uhr morgens das Frühstück wortlos über den Tisch geht und man mehr oder weniger amüsant gewisse grummlige Gesichter beobachten kann.
…nach dem Augenblick, wo man seine sieben Sachen im Gewimmel sucht, nach dem das vor der Hütte stehen in der Dunkelheit um zu spüren, wie kalt es wirklich ist, nach dem Moment wo man fixfertig parat am Warten ist, bis alle marschbereit sind und es endlich los geht.
…nach dem Moment, wo man seinen Körper langsam mit ein paar Schritten in Schwung bringt und, die frischen Bergluft auf dem Gesicht spürt, den gigantischen Sternenhimmel bewundert und genau weiss, wieso man sich das antut.
…nach dem Gedanken, dass es bei diesem hellen Mondschein die Stirnlampe eigentlich nicht braucht und nach dem wortlosen Gehen, wo man einfach den Körper und sich spürt und die Schritte der Gruppe hört, ganz versunken in Gedanken.
…nach dem Fingerabfrieren beim Steigeisen anziehen, nach dem Einschlaufen des Seils und nach dem Knoten binden.
…nach dem Knirschen der Eisen auf dem Eis, nach dem Spüren des Gewichtes des Pickels in der Hand, nach dem Bewundern der Spalten rundherum und nach den Gedanken über wie‘s wäre, wenn’s jetzt einfach zu Ende gienge.
…nach dem langsam Heller-werden, nach dem Erröten des Morgenhimmels und der Berge rundherum und nach dem ersten goldenen Sonnenstrahl auf dem höchsten Zacken.
…nach dem Bewundern der Bergwelt ringsherum und dem Raten, welche Namen die Gipfel tragen, nach dem Staunen über die Insekten auf dem Schnee und nach dem stahlblauen Wasser unter dem Eis.
…nach dem mal wieder Bemerken, dass mein analoger Föteler bei diesen Temperaturen einfach nicht will und das nachdem er mir genervt aus dem obersten Rucksackfach geholt wurde. Das Thema Sonnencreme im gleichen Fach lassen wir hier mal…
…nach dem Klettern über Felsen, nach dem vor mir gepfiffenen Totenmarsch dabei, den ich wohl x Mal verflucht habe, genauso wie das coole auf dem Stein sitzen, plöiderlen und dabei das Seil lockern, während man am Sichern ist und auch Sehnsucht nach dem Gefühl in diesem Moment einfach bei sich, seinem Körper und seiner Angst zu sein und trotz Allem seinem allerbesten Freund blind vertrauen zu dürfen und zu spüren, ein Team zu sein.
…nach dem Gipfumüntschi, wenn man es schlussendlich geschafft hat und sich selber und den Gipfel besiegt hat, nach der riesigen Freude dort oben und nach dem überglücklichen Bewundern des Panoramas und nach dem Fühlen von totaler Freiheit und nach dem damit verbundenen Wunsch, da zu bleiben.
…nach einem schönen Abstieg mit kleinen Kletterpartien und langen Schneeflanken zum Runter hüpfen, nach dem Augenblick, wo die Sonne wieder so viel Kraft hat, dass man kurzärmlig unterwegs ist.
…nach all den guten Gesprächen weit weg vom Alltag und nach all den neu gesehenen und gesetzten Zielen.
…nach der Natur und den Bergen und nach einer ärdenschönen und tief vertrauenden Freundschaft, mit der dies alles erst möglich ist…