La giornata mondiale del bacio

Prinzipiell kann man ja jeden Tag etwas Neues lernen, vorausgesetzt natürlich man möchte das. Manchmal jedoch brauch ich etwas länger, um gewisse Sachen zu verstehen. Der internationale Tag des Kusses. Also wie bitteschön? Als ich das lese, stehe ich mehr vor einem Rätsel, als dass ich begreifen würde, was das nun bedeutet, internationaler Kusstag. Heisst das, man küsst heute seinen Partner einmal mehr als nur beim obligaten „Auf-Wiedersehen-bis-später-Schatz-Kuss“? Oder meint dies, heute ist es erlaubt, irgendeine Person auf der Strasse zu küssen, wenn man dazu gerade Lust und Laune hat? Oder werden heute Rekorde im Küssen aufgestellt? Neue Kussvarianten ausprobiert? Ist das ein Tag für Pärchen oder haben da Singles auch was davon? Küsst man sich heute durch alle Frösche durch, bis man DEN Prinzen gefunden hat?

Genau, eigentlich geht’s mir gar nicht um den Tag des Kusses im Speziellen. Es gibt nämlich auch den internationalen Tag der Familie, der internationale Tag der Artenvielfalt, der internationale Tag der alten Menschen, der internationale Tag der Pressefreiheit, der internationale Tag des Glücks, der Weltmusiktag und so weiter und so fort. Tagtäglich wird da also einer bestimmte Sache global gedacht, sie geehrt und gefeiert. Und bei all dem frag ich mich halt, ob nicht Lewis Carrolls Alice vielleicht etwas weiser war, obwohl diese Geschichte vor fast schon 150 Jahre geschrieben wurde. Da wird nämlich postuliert, statt einmal im Jahr Geburtstag, doch 364 Tage im Jahr den Nichtgeburtstag zu feiern.

Würde unsere eigene kleine Welt vielleicht ein wenig charmanter werden, wenn wir statt einmal im Jahr einen riesen Blumenstrauss zu schenken, öfters mal die Eltern mit einer Sonnenblume überraschen würden? Wenn man sich mal wieder bewusst Zeit nimmt, um einem Menschen zuzuhören, dem es gerade nicht so gut geht? Wenn wir den Nachbarn ein selbstgebackenes Muffin überbringen und ein bisschen mit ihnen schwatzen? Oder, wenn man seinen liebsten Freunden eine Postkarte von Hand schreibt, um sie wissen zu lassen, wie sehr man sie im eigenen Leben schätzt und wie gerne man sie hat? Man sich die Zeit nimmt, einen krebskranken Menschen zu besuchen, um mit ihm einen Tag zu verbringen und ihm vielleicht einen kleinen Traum erfüllt? Oder einfach einem Menschen einen Fehler verzeiht ohne sich mehr darüber zu ärgern? Einem Kind die Hand hin streckt und sich seine Sicht der Welt anhört? Oder eben, wenn man einen lieben Menschen mal nicht nur flüchtig, sondern wieder mal innig umarmt und in mit voller Inbrunst küsst? Und für all das braucht es eigentlich weder einen festgelegten Tag, noch Globalität, sondern nur die eigene Phantasie und Kreativität. Es leben die internationalen Tage der spontanen und herzlichen Menschlichkeit!

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