Noch nicht lange her, da ist eine Postkarte ins Haus geflattert, auf welcher auf der Vorderseite ganz gross geschrieben steht: „Life isn’t about waiting for the storm to pass. It’s about learning how to dance in the rain“. Dieser Spruch hat ganz klar etwas Tiefgang und man könnte ihn an dieser Stelle auseinandernehmen und interpretieren. Man kann ihn aber auch Wort für Wort nehmen und das habe ich heute praktisch fast gemacht. Leisen Gerüchten wegen, dass es am Dienstag wieder mal etwas regnen soll, habe ich heute, an diesem besagten Dienstag, beim Morgenessen das Meteoapp studiert. Tatsächlich, Regen ist angesagt, aber erst um 18 Uhr. Exakt genau zu dieser Zeit, wo ich das Büro verlassen möchte, um in den Fitnesskurs zu fahren. Mit dem Fahrrad versteht sich, in diesem Bezug bin ich noch weit weg, Tessinerin zu werden. Der Prognosen und vor Allem aber dem da schon sehr tief grau hängendem Himmel wegen, pack ich meine Regenhose und die Jacke ein. Im Verlauf des Tages hellt sich das Wetter jedoch auf und als ich vom Mittagessen zurückkomme, ist es ziemlich warm und sonnig und ich denke mir in diesem Moment, dass meine mitgebrachte Regenmontur doch etwas übertrieben ist. Diese Gedanken werden noch unterstützt von den Erfahrungen der letzten Zeit in Sachen Wetterhervorsagen, meist war es schlussendlich immer um einiges besser als gemeldet.
Die letzte halbe Stunde meines Arbeitstages verbringe ich im Büro und trotz Dachfenster merk ich, dass es zunehmend dunkler wird. Mir schwant übles. Und tatsächlich, fast pünktlich auf den sechs Uhr Glockenschlag fängt es an, riesige Tropfen auf das Dachfenster zu prasseln. Und riesige Tropfen heisst meist, dass dies nur der harmlose Anfang ist. Und so fahr ich schlussendlich in einem warmen, aber heftigen Sommergewitter zu meinem Kurs. Und statt mich aufzuregen, erinnere ich mich an den Spruch auf der Postkarte und fange an zu Lachen und die Fahrt einfach zu geniessen, mitten durch jede Pfütze. Patschnass komm ich an und beim Hinaufgehen der Treppe begegne ich Sam, unserem Trainer, der mich etwas sprachlos und mit grossen Augen anschaut und wohl dabei denkt, die Spinnen die Deutschschweizer! Spätestens wenn er dieselbe Postkarte kriegt wie ich, wird er mich sicher verstehen können!