Bern kann sich nicht Grossstadt nennen und doch gibt es da einfach unendlich viel zu sehen, riechen und hören. Angefangen schon bei der Ankunft im Bahnhof. Zum Beispiel das wohl ewig faszinierende Schaufenster von Caran D’Ache mit den Bären, die sich bewegen. Oder die für mich immer noch gewöhnungsbedürftige neue Anzeigetafel, welche nun leider digital die Abfahrtszeiten ankündigt und nicht mehr Ziffern und Buchstaben unter Rattern rotieren lässt. Oder der dunkelhäutige Suprizeverkäufer mit der Schweizerfahne, welcher einen immer anlächelt, als würde man sich kennen. Der Duft verschiedenster Parfüms am Loebegge, dort, wo man sich trifft, trifft man sich in Bern. Der Klang des Alphorns auf dem Bärenplatz und das energische Bimbeln der Trame. Der Clown, der vor dem CA am Jonglieren ist und der wunderbare Ausblick von der Kornhausbrücke auf den Gurten und die Berneralpen. Wenn ich durch die Stadt bummle, geniesse ich die schönen Gebäude, das Ambiente und die Stimmung. Es ist nach Hause kommen und geniessen und doch halt nicht mehr wirklich zu Hause sein.
Schlendere ich durch die Stadt, bin ich meist etwas in Gedanken versunken, während die verschiedensten Eindrücke mich erreichen. So auch kürzlich, nachdem ich mir was gepostet hatte, dass mich ein bisschen ins Tagträumen gebracht hat. Mein Unterbewusstsein jedoch schien mehr wahrzunehmen als ich in diesem Moment. Plötzlich zwang es mich stehen zu bleiben und mich umzudrehen. Im Gewühle des Samstagnachmittagsshoppings entdeckte ich einen etwa 12 Jahre alten dunkelhäutigen Jungen vor einer Betonsäule. Darauf ein Plakat, eine Werbung für ein Konzert. Die Band kannte ich nicht, was nicht weiter verwunderlich ist, der Junge hingegen schien sie sehr wohl zu kennen. Als wenn um ihn herum kein Lärm und Gewusel wäre, stand er still da, den Blick konzentriert auf das Plakat gerichtet. Diese Faszination berührte mich und ich spürte, wie er davon träumte, dieses Konzert besuchen zu können. Seine Gedanken schienen einfach gerade dort, an diesem Konzertabend zu sein und er sich diesen wahrhaftig vorzustellen, so dass auch ich mich miteinbezogen gefühlt habe.
Ich wollte gerade losgehen und ihn ansprechen, hielt dann mitten im Schritt inne. Die Vernunft hielt mich, wie so oft im Leben, im letzten Moment noch zurück. Man kann doch nicht einfach einem Kind auf der Strasse sagen, komm, wir gehen ein Ticket kaufen. Das Kind ist ja schliesslich wirklich noch Kind und die Eltern entscheiden, ob und wann und mit wem es ein Konzert besuchen darf. Und eine Eintrittskarte für ein Konzert zu schenken würde mich wohl eher auf den Polizeiposten bringen, als schlussendlich die Freude bringen, die ich in diesem Moment so gerne verschenken wollte.
Tausende Gedanken gingen mir durch den Kopf und ich blieb noch eine Weile stehen. Erinnerte mich an meine Kindheit und an meine Träume damals. Wie wir lernen mussten, dass es Wünsche gibt, die immer Träume bleiben. Wie ich aber auch mit der Zeit gesehen habe, dass es durchaus Träume gibt, die verfliegen, um neuen Wünschen Raum zu schaffen. Andere wiederum lernte ich, kann man sich mit Fleiss, Strebsamkeit oder starkem Willen erfüllen. Wünsche und Träume hat man wohl im ganzen Leben. Meine haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Keiner dieser Wünsche kann man sich nun mehr mit Geld erkaufen. Manche davon werden sich sicher noch erfüllen, manche werden Träume bleiben. Und da bin ich irgendwie froh, dass ich als kleines Mädchen gelernt bekommen habe, dass man nicht immer alles bekommen kann, was man gerne hätte und gewisse Dinge für immer Phantasien bleiben werden. Den Kopf voller Gedanken lass ich den Jungen weiter träumen und hoffe insgeheim dennoch, dass sein Wunsch noch in Erfüllung gehen wird.