…Donnerstage, die fangen als hundsgewöhnliche oder sogar etwas traurige Donnerstage an und entwickeln sich im Laufe des Tages, und trotz Arbeitsalltag, zu einem supercoolen Donnerstag! Und dies weil es so viele verschiedene Menschen fertig bringen, trotz ins Gesicht geschriebenen Sorgen und Tränen in den Augen, einen einfach ein Lachen auf die Lippen zu zaubern! Und dann ist ein absolut normaler Donnerstag urplötzlich ein wunderschöner Tag im Leben!
Archiv für den Monat Juni 2016
Tagträume in Bern
Bern kann sich nicht Grossstadt nennen und doch gibt es da einfach unendlich viel zu sehen, riechen und hören. Angefangen schon bei der Ankunft im Bahnhof. Zum Beispiel das wohl ewig faszinierende Schaufenster von Caran D’Ache mit den Bären, die sich bewegen. Oder die für mich immer noch gewöhnungsbedürftige neue Anzeigetafel, welche nun leider digital die Abfahrtszeiten ankündigt und nicht mehr Ziffern und Buchstaben unter Rattern rotieren lässt. Oder der dunkelhäutige Suprizeverkäufer mit der Schweizerfahne, welcher einen immer anlächelt, als würde man sich kennen. Der Duft verschiedenster Parfüms am Loebegge, dort, wo man sich trifft, trifft man sich in Bern. Der Klang des Alphorns auf dem Bärenplatz und das energische Bimbeln der Trame. Der Clown, der vor dem CA am Jonglieren ist und der wunderbare Ausblick von der Kornhausbrücke auf den Gurten und die Berneralpen. Wenn ich durch die Stadt bummle, geniesse ich die schönen Gebäude, das Ambiente und die Stimmung. Es ist nach Hause kommen und geniessen und doch halt nicht mehr wirklich zu Hause sein.
Schlendere ich durch die Stadt, bin ich meist etwas in Gedanken versunken, während die verschiedensten Eindrücke mich erreichen. So auch kürzlich, nachdem ich mir was gepostet hatte, dass mich ein bisschen ins Tagträumen gebracht hat. Mein Unterbewusstsein jedoch schien mehr wahrzunehmen als ich in diesem Moment. Plötzlich zwang es mich stehen zu bleiben und mich umzudrehen. Im Gewühle des Samstagnachmittagsshoppings entdeckte ich einen etwa 12 Jahre alten dunkelhäutigen Jungen vor einer Betonsäule. Darauf ein Plakat, eine Werbung für ein Konzert. Die Band kannte ich nicht, was nicht weiter verwunderlich ist, der Junge hingegen schien sie sehr wohl zu kennen. Als wenn um ihn herum kein Lärm und Gewusel wäre, stand er still da, den Blick konzentriert auf das Plakat gerichtet. Diese Faszination berührte mich und ich spürte, wie er davon träumte, dieses Konzert besuchen zu können. Seine Gedanken schienen einfach gerade dort, an diesem Konzertabend zu sein und er sich diesen wahrhaftig vorzustellen, so dass auch ich mich miteinbezogen gefühlt habe.
Ich wollte gerade losgehen und ihn ansprechen, hielt dann mitten im Schritt inne. Die Vernunft hielt mich, wie so oft im Leben, im letzten Moment noch zurück. Man kann doch nicht einfach einem Kind auf der Strasse sagen, komm, wir gehen ein Ticket kaufen. Das Kind ist ja schliesslich wirklich noch Kind und die Eltern entscheiden, ob und wann und mit wem es ein Konzert besuchen darf. Und eine Eintrittskarte für ein Konzert zu schenken würde mich wohl eher auf den Polizeiposten bringen, als schlussendlich die Freude bringen, die ich in diesem Moment so gerne verschenken wollte.
Tausende Gedanken gingen mir durch den Kopf und ich blieb noch eine Weile stehen. Erinnerte mich an meine Kindheit und an meine Träume damals. Wie wir lernen mussten, dass es Wünsche gibt, die immer Träume bleiben. Wie ich aber auch mit der Zeit gesehen habe, dass es durchaus Träume gibt, die verfliegen, um neuen Wünschen Raum zu schaffen. Andere wiederum lernte ich, kann man sich mit Fleiss, Strebsamkeit oder starkem Willen erfüllen. Wünsche und Träume hat man wohl im ganzen Leben. Meine haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Keiner dieser Wünsche kann man sich nun mehr mit Geld erkaufen. Manche davon werden sich sicher noch erfüllen, manche werden Träume bleiben. Und da bin ich irgendwie froh, dass ich als kleines Mädchen gelernt bekommen habe, dass man nicht immer alles bekommen kann, was man gerne hätte und gewisse Dinge für immer Phantasien bleiben werden. Den Kopf voller Gedanken lass ich den Jungen weiter träumen und hoffe insgeheim dennoch, dass sein Wunsch noch in Erfüllung gehen wird.
Gesucht per sofort: Iglu, wenn möglich inklusive Eisbär
Pünktlich zur Sommerwende ist er tatsächlich eingetroffen, der Sommer! Und ich hoffe doch schwer, dass sich nun die Mehrheit der Bevölkerung einfach nur noch freut und mit einem Lachen auf den Lippen durch die Welt spaziert. Denn, nun hat das Gejammer ein Ende und der Grösste aller Träume ist erfüllt! Zugegeben, ich mag es auch, wenn man gemütlich draussen zu Abend essen kann und auf dem Nachhauseweg um halb elf Uhr Abends noch spontan in eine Gartenwirtschaft sitzen kann, um ein Glas Wein zu trinken. Sofern man das gemütlich finden kann, wenn es dabei hupt und lärmt, weil überraschenderweise scheinbar wieder mal eine Fussballmannschaft gewonnen hat, aber das wird bald wieder vorbei sein. Was wohl nun länger bleibt ist die brütende Hitze den ganzen Tag hindurch, bevor es zum lauen Sommerabend kommt. Er ist da, der Sommer und das ohne Vorankündigung, quasi Knall auf Fall! Es gibt wohl Dinge, die werden sich nie ändern, jedes Jahr nicht. Wehmütig erinnere ich mich an die letzten gefallenen Schneeflocken, welche nicht mal eine Woche zurück zum Liegen gekommen sind. Und genau deshalb suche ich per sofort ein gemütliches und kühles Iglu, um die Tage über 30° C unbeschadet zu überleben, ohne mich wie eine gekochte auf dem Rücken liegende Schildkröte zu fühlen. Das Iglu mit Vorteil inklusive Eisbär vorne dran. Damit potentiell tollwütige Pinguine nicht auf dumme Gedanken kommen können und frühzeitig abgeschreckt werden! Bis im nächsten Winter!
Aus aktuellem Anlass
Ja, ich gebe zu, auch ich bin total fasziniert von diesem Spiel mit dem schwarz-weissen Ball auf grünem Untergrund. In den Grundzügen so simpel und doch, ist EM oder WM, gibt es kein Restaurant und keine noch so kleine Bar, wo nicht irgendwo ein Bildschirm steht, um welchen sich das Volk drängt. Alle fiebern mit, man ist eine Gemeinschaft wenn auch nicht immer mit den gleichen Präferenzen. Aber, für einmal nicht jeder für sich, sondern vereint durch das gebannte vor dem Schirm sitzen und am Zuschauen wohin der kleine Ball als nächstes gekickt wird. Ansonsten sind die Strassen während dieser Zeit menschenleer und gespenstisch ruhig. Obwohl, in Bellinzona ist das auch ohne Fussballspiel der Fall, aber das ist ein anderes Thema. Auch Einkaufen während eines Matches ist einfach herrlich! So speditiv geht’s sonst meist nicht voran. Kommt man dann am Morgen zur Arbeit, wird nicht stillschweigend vor der Zeitung ein Espresso gekippt, nein, es wird heftig über den letzten Abend, die Spielminuten und den Schiri debattiert. Weiter wird spekuliert und gewettet und gemeinsame Abende vor dem public viewing Schirm geplant. Einfach faszinierend, wie ein solch in den Grundzügen einfaches Spiel die Menschen zusammen bringt und (Männer-)Welten Kopf stellen kann!
Lang ist’s her…
Seit ein paar Wochen treff ich beim Nachhausekommen häufig auf drei bis vier Jungs im Alter von etwa sechs bis acht Jahren am Spielen. Entweder sind sie aus dem Winterschlaf erwacht, neu hinzugezogen oder haben ihr Revier vergrössert. Jedenfalls scheint seit Neustem unser Hauseingang mit dem Strauchgebüsch ein idealer Versteckplatz und der Innenhof eine beliebte Spielfläche zu sein. Wenn ich sie nicht antreffe, so höre ich sie zumindest meistens während ich am Kochen bin. Oft schaue ich ihnen eine Weile zu und muss schmunzeln, auch dann, wenn ich natürlicherweise kaum bis gar nicht zurück gegrüsst werde. Auch wenn ich das manchmal selber noch nicht wahrhaben will, mittlerweile gehöre ich auch zu diesen Erwachsenen, diesen so unglaublich anderen Wesen in der kleinen Kinderwelt. Vor denen man Respekt hat und lieber verschwindet als sich auf eine mögliche Diskussion einzulassen. Und, dann erinnere ich mich jeweils zurück wie wir in unserer Strasse aufgewachsen sind. Das war eine bunt zusammen gewürfelte Bande! Längst war nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Da hat man gezofft, einander an den Haaren gezogen oder mal zugebissen. Und natürlich gab es auch diese Eltern, welche sich da einmischen mussten, was nicht unbedingt immer vorteilhaft war. Oft waren wir aber auch eine grosse Bande, haben die beiden Blockeingänge als Wohnungen missbraucht und Familienrollenspiele ausgetragen. Manchmal mit Einbezug von Kindergeschirr und Puppen, manchmal einfach nur mit Gegenständen in der Phantasie. Und wohlverstanden, ohne smartphone, tablet oder ähnliches. Gespielt wurde mit reiner Vorstellungskraft, nachdem man sich gegenseitig rausgeläutet hat. Oder, wenn man noch nicht klingeln gehen durfte aus Gründen von unpassender Uhrzeit oder weil Sonntag war, hat man einfach genügend Lärm produziert, damit die Anderen drinnen aufmerksam wurden. Kein whatsup chat war da nötig, kein vorheriges abmachen. So oft es ging waren wir draussen am Rumziehen, spielen und die Welt am Geniessen. Zum Leidwesen eines älteren etwas sensiblen Ehepaares. Wir waren halt wohl auch nicht immer gerade leise. Waren wir doch eine rechte Bande.
Natürlich gab es neben Müetterlen auch Spiele mit mehr Bewegung. So konnten und durften wir das ganze Quartier umrunden, quer durch den Garten des Arztes abkürzen. Das gab immer wieder herrliche Versteckspiele und Schnitzeljagden. Einzig, der schmale Pfad vor der Arztpraxis musste leise begangen werden. Wenn ich zurück denke, möchte ich gerne wissen wie leise wir da wohl waren. Vor allem, weil auf der anderen Hausseite der Mittelpunkt eines unserer Lieblingsspiele war. Da gab es einen Hüter und einen Kessel. Er musste die Anderen suchen, während diese sich versteckten, um in einem guten Moment den Kübel mit einem lauten „Chübelium“ umzukicken und alles fing von Vorne an. Ausser natürlich der Hüter konnte jemanden finden und packen. Dann wurde dieser zum Hüter. Der Garten hatte noch andere tolle Sachen, zum Beispiel eine Hängematte, bei welcher wir Kleinen aber nie den Vorrang hatten. Oder einen leer stehenden Swimmingpool. Daneben blaue Fässer mit eingelegten Brennesseln, sie stanken fürchterlich. Alles musste entdeckt werden und gehörte irgendwie einfach uns. Ausser die Meertrübeli, da mussten wir immer aufpassen, dass wir sie ja unbemerkt abzupften und bevor die Grossmutter des Sandkastenkollegen uns erwischte, wenn sie aus dem Fenster geschaut hatte. Wohl aber genauso, wie ich das heute auch mache, wenn ich die Jungs draussen höre und ihnen dann einfach mit einem Lächeln zuschaue, wie sie verstohlen um die Hausecken streichen, immer gefasst, dass gleich jemand auf den Balkon tritt.
Auch Mutproben gehörten dazu. Neben unserem Block gab es einen Zaun auf einer hohen Mauer hinunter in einen verwunschenen Garten. Dort im Haus wohnte nicht nur ein mürrisches Ehepaar, der ebenso mürrische Hund war oft im Garten unten anzutreffen. Wenn er nicht gerade am rumläutschen war. Was damals auch noch vorkam. Manchmal kam es halt dann auch vor, dass einer unserer Bälle den Zaun übersprang und in den Garten runter flog. Kann mich noch gut erinnern, was das für eine Mutprobe war, das erste Mal über den verbotenen Zaun zu klettern und über den Baum in den Innenhof runter zu kommen und den Ball zu retten. Mit der Angst im Nacken, die Eltern könnten just in dem Moment auftauchen und mich erwischen wenn ich unten bin oder irgendwo erwache ein lauernder Hund und kommt bellend auf mich zu gerannt lasse mich auffliegen. Nach der ersten Mutprobe war es dann schon fast ein Spiel, immer mal wieder dort nach Unten zu klettern und die Entdeckungsreisen fortzusetzen.
War das Wetter nicht unbedingt zum Draussen sein, so trafen wir uns zum Monopoly spielen. Wobei wir beide Geschwister immer übers Bett gezogen wurden – wir hatten keine Ahnung von Geld oder Geld verwalten währen der Sandkastenkollege ein richtiger Banker und Gauner war. Mittlerweile ist er übrigens Anwalt und wir pokern zusammen. Aber dass er immer noch mehrheitlich gewinnt hat sich nicht geändert. Ein anderes Spielkamerädli wurde Diatköchin, arbeitet nun in einem Krankenhaus. Eine Dritte wurde Coiffeuse, macht nun aber Fliessbandarbeit. Einer unserer Spielkameraden landete mal eine Weile im Gefängnis, seine Schwester wurde früh Mutter, nun alleinerziehend. Wieder ein Anderer ist Designer, wohnhaft in London, eine Ärztin hat‘s gegeben. So manches Elternpaar ist nicht mehr zusammen, von verstorben zu geschieden bis zu outings über Homosexualität. Von Manchen weiss niemand mehr, wo sie wohnen, was aus ihnen geworden ist. Die Kontakte haben sich verflüchtigt, die Spuren sich zum Teil verloren. Kaum jemand wohnt noch da, wo wir aufgewachsen sind. Eine Strasse in einem kleinen Dorf, eine gemeinsame Kindheit uns so viele verschiedene Wege und Schicksale. Was wohl aus meinen Jungs hier mal wird, wenn sie auch zu den Erwachsenen zählen!?