Lebt man in einer Stadt, so hat man so manchen direkten und indirekten Nachbarn. Auch wenn man meist nicht mal alle Personen im eigenen Haus beim Namen kennt, so kennt man diese wenigstens vom Sehen. Und so auch diese Leute im Quartier, die jeweils zu denselben Zeiten wie man selber unterwegs sind. So etwa ich die ältere Dame mit dem etwas zu dicken Hund, welche in dem Haus wohnt, vor dem im Herbst der Khakibaum fast unter seiner Last bricht. Oder der ältere, sportliche Herr aus dem hohen Block nebenan, der mit dem schweren Mofa zur Arbeit fährt und egal ob Sommer oder Winter, am Abend dann sein Fahrrad sattelt und vielfach mit schwerem Rucksack noch loszieht in die Dunkelheit. Oder die Frau mittleren Alters, welche scheinbar eine Art Tagesmutter zu sein scheint und welche schon ziemlich früh am Morgen unterwegs ist mit Kinderwagen und Kindern auf Leikabike und immer freundlich lächelt als würden wir uns kennen.
Ich gebe zu, der Herr aus dem Haus am Anfang der Strasse hat auch bei mir zuallererst komische Gefühle ausgelöst. Ganz in schwarz gekleidet, schwarze, glänzende Schuhe, schwarze, enge Lederhosen, welche seine dünne Gestalt betonen, ein weibliches schwarzes Oberteil oder einen Frauenmantel, schwarze Lederhandschuhe, eine schwarze, grosse Brille und weissblonde lange Haare. Und immer unterwegs mit einem weissen, hässlichen kleinen Hund an der Leine. Einen weissen Smart fährt er, auf dem ein Totenkopf prangt und steht, der Teufel fahre mit.
Ziemlich schräg und was nicht ins Bild passt, das macht irgendwie auch etwas Angst. Angst weil man unsicher ist und nicht weiss, wie man das einordnen soll. Ein Mann, welcher aussieht und sich kleidet wie eine Frau. Oder ist er eine Frau und sieht etwas männlich aus? Oder hat er gar sein Geschlecht schon mal gewechselt? Schwer zu sagen, da er, oder eben sie, halt auch immer eine dunkle Brille trägt und ich noch nie ein Wort mit ihm gewechselt habe.
Doch mittlerweile kenn ich auch ihn als einer meiner Nachbarn und mache mir keine Gedanken mehr. Auch er scheint jeden Tag früh aus dem Haus zu gehen und einer Arbeit nachzugehen. Auch seine Freizeit scheint nicht von Skurrilität geprägt zu sein. So habe ich ihn schon mal oben auf Sasso Corbaro getroffen, wo er scheinbar die Küchenbelegschaft dieses eher etwas teureren Grottos kennt. Und eben, häufig kommt er mir auf der Strasse entgegen, wenn er mit seinem Hund spazieren geht. Und, egal welche Tageszeit es ist, er ist einer der wenigen, der freundlich grüsst und das lässt einen eben dann doch etwas zu Hause und auch sicher fühlen. Ob nun etwas anders oder nicht!
…e schöngschriebni Perle us em Autag 🙂
LikeLike
gefällt mir – sehr gut überlagt – mach weiter – gruss
LikeLike
Merci viu Mau beidne! 🙂
LikeLike