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Manchmal, da stell ich mir vor, die Dimitrischule sei umgezogen, von Verscio nach Bellinzona nämlich. Und in diesen Gedanken, tauche ich ab in die Welt der Clowns. Da gibt es zum Beispiel den Clown, der Dich mit einem lieben Gesicht anschaut, immer Zeit findet, Dir zuzuhören, freundlich Antwort gibt oder auch mal seine Hilfe anbietet. Er hat so seine Probleme, zeigt diese aber nicht, geht seinen Weg, ohne sich von der Gruppendynamik beeinflussen zu lassen und ist dennoch kein Egoist. Eine Art lieber Ruhepolclown. Ein ziemliches Gegenteil davon ist der Querulantenclown. Alles tanzt nach meiner Nase, auch wenn diese rot ist. Stimmt die Realität nicht mit seinem Weltbild überein, scheut er keine Mittel und sorgt für Unruhe und Missstimmung. Manchmal alleine aber oft in Begleitung eines schwachen Clowns. Denn, der schwache Clown ist das Fähnlein im Winde. Er lebt auch in seiner eigenen Manege, aber lässt sich auch ganz gerne in andere Zelte verführen. Er wird gerne geführt und sei dies an der Hand des Querulantenclowns, der ihm die Unfairness der Welt in den Fokus rückt. Vergesslich, nicht sehr zuverlässig tanzt er ziemlich naiv mit. Seine Pointen kommen oft nicht zum Schluss, weil er sich ziemlich schnell ablenken lässt und Richtung wechselt. So hinterlässt sein Auftritt immer viele Fragen und wahrscheinlich findet man danach auch noch irgendwo seine rote Nase, welche er liegen gelassen hat. Weiter gibt es den perfekten Clown. Mit einem freundlichen Lächeln, scheint er eher ruhig, aber mischt bestimmt mit, wenn es um ihn und seine Rechte geht. Tritt er in ins Scheinwerferlicht läuft alles korrekt und nach Schema, ohne Abweichungen vom durchdachten Programm. Brav jedes Wort und jede Geste auswendig gelernt. Er kennt aber auch die Abläufe der anderen Programmmitglieder und ist nicht zu scheu, ihnen allfällige Fehler oder spontane Abweichungen unter die kuglige, rote Nase zu reiben. Denn er selber, hat nicht gerne Spontanität. Alles was nicht nach Plan läuft oder neu ist, verunsichert ihn. Immer verunsichert dagegen ist der weinerliche Clown. Er ist auch der labile Clown. Häufig mit sich selber und seinen Problemen beschäftigt, tritt er oft schon mit Tränen in den Augen hinter dem Vorhang hervor. Nebst den zu grossen Schuhen, die er trägt, schusselt und stolpert er vor lauter Angst und Unsicherheit, was ihn nur noch zu mehr Tränen führt. Traurig lässt er seinen Kopf hängen, bringt keine Vorstellung erfolgreich zu Ende, was dazu führt, dass seine Mitclowns ihn nur mitleidig belächeln und ihn nicht wirklich ernst nehmen. Der egoistische Clown ist selbstbewusst und vergisst schon mal, dass es noch nicht Zeit für seinen Auftritt wäre. Dies wird aber grosszügig übersehen. Wenn er auftritt dann stets mit einem netten Lächeln, doch das Sägemehl wirbelt nur so umher. Er kommt, agiert und dabei ist ihm egal, was die anderen tun oder denken. Freundlich und nett, aber er holt sich, was ihm am besten bekommt und setzt sich mit wenig Aufwand gekonnt in Szene. Er liebt das Scheinwerferlicht und den Applaus. Ihm folgt tapfer sein Zögling, der hochmütige Clown. Arrogant und vor Selbstüberschätzung strotzend, schreitet er hoch erhobenen Kopfes durch das Zelt. Übersieht er dabei doch mal das Hindernis am Boden, ist der Schuldige schnell an den Pranger gebracht. Seine eigentliche Unsicherheit übertunkt er mit Selbstdarstellung. So mancher hat sich schon von seinem Auftritt mitreissen lassen und nicht gemerkt, dass er nur zerbrechliche Luftblasen zeigt, welche er farbig redet und die durch lauter heisse Luft gleiten. Mein allerliebster Clown ist der beste Freunde Clown. Geht der Vorhang auf, tanzt er freudigen Schrittes in die Manege mit seinem riesigen roten, lachenden Mund und der karierten Mütze mit Blume. Sofort entdeckt er einen anderen Clown, aber auch das Publikum und versucht diese in seinem Programm zu vereinen. Seine fröhliche, ehrliche und gutmütige Art ist ansteckend. Stets auf Tournee hat er die Gabe doch immer wieder ein bisschen Zeit hervor zu zaubern, um zuzuhören und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Es gäbe noch viele andere Charakteren in diese bunte Clownerei einzureihen, so mancher Clown ist auch eine Mischung aus anderen Clowns. Und da ein solcher ein Zirkus auch in Zürich, München oder New York existiert ist die Kunst, den einzelnen Charakter kennen zu lernen und zu wissen, wie man mit ihm umzugehen hat und heraus zu finden, welche Clownnase man da selber am besten zu tragen hat. |
Archiv für den Monat Januar 2016
Manche Menschen sind halt etwas anders
Lebt man in einer Stadt, so hat man so manchen direkten und indirekten Nachbarn. Auch wenn man meist nicht mal alle Personen im eigenen Haus beim Namen kennt, so kennt man diese wenigstens vom Sehen. Und so auch diese Leute im Quartier, die jeweils zu denselben Zeiten wie man selber unterwegs sind. So etwa ich die ältere Dame mit dem etwas zu dicken Hund, welche in dem Haus wohnt, vor dem im Herbst der Khakibaum fast unter seiner Last bricht. Oder der ältere, sportliche Herr aus dem hohen Block nebenan, der mit dem schweren Mofa zur Arbeit fährt und egal ob Sommer oder Winter, am Abend dann sein Fahrrad sattelt und vielfach mit schwerem Rucksack noch loszieht in die Dunkelheit. Oder die Frau mittleren Alters, welche scheinbar eine Art Tagesmutter zu sein scheint und welche schon ziemlich früh am Morgen unterwegs ist mit Kinderwagen und Kindern auf Leikabike und immer freundlich lächelt als würden wir uns kennen.
Ich gebe zu, der Herr aus dem Haus am Anfang der Strasse hat auch bei mir zuallererst komische Gefühle ausgelöst. Ganz in schwarz gekleidet, schwarze, glänzende Schuhe, schwarze, enge Lederhosen, welche seine dünne Gestalt betonen, ein weibliches schwarzes Oberteil oder einen Frauenmantel, schwarze Lederhandschuhe, eine schwarze, grosse Brille und weissblonde lange Haare. Und immer unterwegs mit einem weissen, hässlichen kleinen Hund an der Leine. Einen weissen Smart fährt er, auf dem ein Totenkopf prangt und steht, der Teufel fahre mit.
Ziemlich schräg und was nicht ins Bild passt, das macht irgendwie auch etwas Angst. Angst weil man unsicher ist und nicht weiss, wie man das einordnen soll. Ein Mann, welcher aussieht und sich kleidet wie eine Frau. Oder ist er eine Frau und sieht etwas männlich aus? Oder hat er gar sein Geschlecht schon mal gewechselt? Schwer zu sagen, da er, oder eben sie, halt auch immer eine dunkle Brille trägt und ich noch nie ein Wort mit ihm gewechselt habe.
Doch mittlerweile kenn ich auch ihn als einer meiner Nachbarn und mache mir keine Gedanken mehr. Auch er scheint jeden Tag früh aus dem Haus zu gehen und einer Arbeit nachzugehen. Auch seine Freizeit scheint nicht von Skurrilität geprägt zu sein. So habe ich ihn schon mal oben auf Sasso Corbaro getroffen, wo er scheinbar die Küchenbelegschaft dieses eher etwas teureren Grottos kennt. Und eben, häufig kommt er mir auf der Strasse entgegen, wenn er mit seinem Hund spazieren geht. Und, egal welche Tageszeit es ist, er ist einer der wenigen, der freundlich grüsst und das lässt einen eben dann doch etwas zu Hause und auch sicher fühlen. Ob nun etwas anders oder nicht!
Jetzt ist er doch noch gekommen!
Nachdem er sich schon ein paar Mal ganz kurz gezeigt hat, um dann gleich wieder zu verschwinden und herbstlichen Temperaturen Platz zu machen, ist er nun doch noch angekommen, der Winter. Leise über Nacht hat er sich weiss über das Seeland und den Jura gelegt. Es fasziniert mich immer wieder, wie diese weisse, dicke und zum Teil kompakte Decke sich bilden kann, durch die man stapfen kann und auch Recht ins Schnauben kommt, wenn man sich zwar nicht weglos, aber spurlos durch den Jura bewegt. Denn, setzt man sich in der Ruhe der Natur irgendwo hin und schaut den Schneeflöckchen zu, so sieht man wie sich wunderschöne, geometrisch exakt geformte, kleine Sterne niedersetzen, um dann schlussendlich auf den Kleidern langsam zu vergehen. Genau diese, winzigen wundersamen Formen müssen zu Abertausenden vom Himmel fallen und sich auf der Erde zusammen tun, um schlussendlich sich wie ein weisser Mantel um die Tannen zu legen und die Natur in ein gleichmässiges weiss zu verwandeln.
Die Sonnenstube der Schweiz
Genau das ist wohl das, was einem in den Sinn kommt, wenn man das Wort Tessin hört. Sicher nicht zu Unrecht, tatsächlich ist es hier ziemlich oft sonnig und warm, der Frühling wärmt schon etwas früher die Natur auf und der Herbst dauert noch etwas länger als nördlich des Gotthards. Das mag jetzt etwas kurios tönen, aber, Sonne hin oder her, ich mag die Regentage hier in Bellinzona einfach wahnsinnig gerne. Denn, während es im Seeland regnet, hat man über sich ein grauer, langweiliger Deckel. Hier jedoch scheint der Himmel sich zu senken. Graue, grosse, dicke, wulstige Wolken hängen an den Bergen, welche uns von allen Seiten umgeben. Die Wolkenschwaden hängen so tief, dass man jeweils nur die Hälfte der Stadt sieht, die andere Hälfte verschwindet gänzlich in ihnen. Weder der Pizzo Claro noch andere Berge scheinen noch zu existieren. Dasselbe gilt für Sasso Corbaro während der tiefer gelegene grössere Bruder der Burg, Montebello, mystisch von Wolkenschleiern umgeben ist. Diese Bellinzona-Regentag-Stimmung ist einfach einzigartig. Man könnte tausend schöne, geheimnisvolle Fotographien machen und dabei vergessen, dass man gerade patschnass wird dabei.
Solch ein wunderbarer Regentag war heute. An einem Morgen wie diesen lass ich jeweils mein Fahrrad zu Hause stehen, schnappe meinen Schirm und gehe gut gelaunt zu Fuss zur Arbeit. Während meines Weges bewundere ich die Wolken, entdecke, was es noch zu sehen gibt und was nicht mehr hier zu sein scheint. Überlege mir, wie Bellinzona ohne Berge wäre oder ob es noch als Stadt gelten würde mit all den fehlenden Häusern. Dabei bestaune ich auch die Wolkenschleier, welche am umherziehen sind und mal hier, mal dort sich etwas lichten und ein paar Häuser wieder zum Vorschein bringen oder eine Kirche plötzlich am gewohnten Platz am Hang steht.
Dann ist da aber noch was anderes tolles an solch einem Wintertag. Man weiss nämlich nie, was sich in den Wolken abspielt. So ist deren Verschwinden immer etwas wie eine mit Spannung zu erwartende Überraschung. Oft geschieht dies erst am nächsten Morgen, heute war es schon am Abend soweit. Beim Verlassen der Arbeit war der Himmel praktisch wolkenfrei, ein paar Sterne glitzerten schon, die Luft war wunderbar rein gewaschen. Und als mein Blick dann zum Pizzo Claro hoch ging, da war es wieder mal soweit – erstens stand er wieder da wo immer, zurückgekehrt ins Panorama! Zweitens aber nun auch wunderbar verschneit präsentiert er sich in einem neuen Kleid. Solche Verwandlungen geschehen nicht nur im Winter, sondern ebenso auch nach einem heissen Frühlings-oder Herbsttag. Nachem Räge schiint d’Sunne… und der Rest ist eben Überraschung!
Aller Anfang…
Nach über zehn Jahren Abwesenheit, war sie plötzlich wieder da – die Lust auf’s Schreiben. Mitten im Strassenverkehr, beim Nachrichten hören, während dem Betrachten eines Werbeplakates oder in interessanten Konversationen, der Drang zu Schreiben tauchte immer ganz unverhofft auf und wurde immer stärker. Doch was macht man mit lauter verschiedenster Einfällen, schlussendlich verarbeitet zu kleinen Texten? Langsam wuchs die Idee, all diese literarischen Anfälle auszuleben und auch zu sammeln und zwar in einem praktischen, zeitgemässen tool, in einem blog.
Schnell einen blog starten ist dann aber in Tat und Wahrheit nicht ein schnelles Unterfangen. Einfach mal anfangen und schauen, wie das so geht – aber halt, da muss zuerst ein Name her, sonst gibt’s keine Webseite und ohne Seite kann man nicht einfach anfangen und schauen. Allerlei Ideen, doch je mehr man sich zur Namensfindung überlegt, desto schwieriger scheint es zu sein. Kurz, prägnant und doch inhaltbeschreibend, merkbar und doch irgendwie ein Unikat, so sollte er sein, der Name. Und immer wenn man denkt, aber jetzt hab ich ihn, den perfekten Namen, wird man beim folgenden googeln wieder auf den Boden der Tatsachen geholt, schon vergeben. Bis man schon fast aufgegeben hat und das Projekt blog beinahe am Nagel zu hängen kommt. Dann ist er doch noch zugeflogen gekommen – kurz, prägnant, frech, merkbar, weder also blog noch sonst als ein google Eintrag auffindbar. Und so freue ich mich als Zwitscherlisi wieder etwas in die Welt des Schreibens tauchen zu können.
Wer zwitschert da?
Zwar komme ich nicht von Adelboden her, es zieht mich aber immer wieder hinauf in die Bergluft. Dort, wo man die Vögel zwitschern hört und sich selber frei wie ein Vogel fühlt. Diese Vogelfreiheit nehm ich mir zum Grundsatz, um so allerhand Körner aus dem Alltag zu picken. Durchmischt und bunt.